LeseLenz-Stipendien

Hausacher LeseLenz-Stipendien 2017

&

Gisela-Scherer-Stipendium 2018

 

Die Stadt Hausach und der Hausacher LeseLenz vergeben in Kooperation mit der Neumayer Stiftung und dem Verein zur Förderung des Hausacher LeseLenzes e.V. drei Arbeits- und Aufenthaltsstipendien ohne Gegenleistung.

Zum einen in der Kategorie Kinder- und Jugendbuch, zum anderen ein Stipendium für Lyrik oder Prosa. Ein drittes Stipendium trägt den Namen „Gisela-Scherer-Stipendium des Hausacher LeseLenzes“. Dieses Stipendium soll an Gisela Scherer erinnern, die im Jahr 2010 verstorben ist. Sie war Mitbegründerin des Hausacher LeseLenzes vor 20 Jahren und hatte die Idee der Hausacher Stadtschreiber-Stipendien mitentwickelt. Das Gisela-Scherer Stipendium kann sowohl für Lyrik und Prosa als auch in der Kategorie Kinder- und Jugendbuch vergeben werden.

  • Die Stipendien werden jeweils für drei Monate zugeteilt und bestehen aus der Bereitstellung einer Wohnung in Hausach und der Zahlung von € 1.500.- pro Monat und Stipendium.
  • Bewerberinnen und Bewerber müssen eine eigenständige Publikation einreichen, die nicht im Eigenverlag erschienen ist und einen „Literarischen Fragebogen“ ausfüllen, der vom Internetauftritt des Hausacher LeseLenzes (www.leselenz.com) entnommen werden kann.
  • Eine Bio-Bibliographie sollte ebenso mitgesandt werden.
  • Die Stipendiatinnen und Stipendiaten können sich natürlich auf eine individuell abzusprechende Art und Weise literarisch in den Schwarzwaldort einbringen.
  • Die Jury behält sich außerdem vor, die seit 2014 bestehende Poetik-Dozentur  des Hausacher LeseLenzes und der PH Karlsruhe für Kinder- und Jugendliteratur an der dortigen Hochschule einem oder einer der BewerberInnen zuzusprechen. Die Poetikdozentur wird zusätzlich honoriert.
  • Es ist vorgesehen, die Stipendiatinnen und Stipendiaten am Vorabend des Hausacher LeseLenzes, am Donnerstag, 6. Juli 2017, im Rahmen einer feierlichen Begrüßung in Hausach vorzustellen. Über die Vergabe der Stipendien entscheidet eine unabhängige Jury bis Ende Mai 2017. Auf Wunsch der Bewerberinnen und Bewerbern werden die eingesandten Bücher nach der Jury-Sitzung zurückgeschickt. Sollte dies nicht vermerkt sein, werden sie an die Hausacher Schulen weitergegeben. Email-Bewerbungen können nicht berücksichtigt werden.

Stipendienzeitraum:

Lyrik oder Prosa: 1. Juli – 30. September 2017

Kinder- und Jugendbuch: 15. Oktober 2017 – 15. Januar 2018

Gisela-Scherer-Stipendium: 1. Februar 2018 – 30. April 2018

 

Einsendeschluss der Bewerbung: 30. April 2017

Die Bewerbungen sind einzureichen an:

 

Hausacher LeseLenz-Stipendium

z.Hd. Hartmut Märtin

Kulturamtsleiter

Kultur- und Tourismusbüro
Hauptstraße. 34
77756 Hausach
Tel: 07831 / 7970

h.maertin@hausach.de

www.leselenz.com

logo

Verein zur Förderung des Hausacher LeseLenzes e.V.

Hausacher Stadtschreiber und LeseLenz-Stipendiaten 2016/17

und das Gisela-Scherer-Stipendium vergeben 

Synke Köhler,

Nils Mohl und

Joachim Zelter

kommen
nach Hausach

Anlässlich ihrer 750-Jahr-Feier hatte die Stadt Hausach in Kooperation mit der Neumayer-Stiftung 2009 erstmals zwei Arbeits- und Aufenthaltsstipendien  im Molerhiisle in Hausach ausgeschrieben. Zum einen in der Sparte „Lyrik oder Prosa“, zum anderen, um den Bereich „Literatur für Kinder und Jugendliche“ zu fördern. Im Jahr 2012 kam das Gisela-Scherer-Stipendium hinzu, das vom Verein zur Förderung des Hausacher LeseLenzes e.V. getragen wird.

Die Hausacher Stadtschreiber für das Jahr 2016/17 sind gewählt. Eine dreiköpfige Jury stimmte bei 66 Bewerbungen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Ungarn für Synke Köhler (Berlin) in der Sparte Prosa/Lyrik und für Nils Mohl (Hamburg) im Bereich Kinder- und Jugendbuch, der damit auch gleichzeitig die Poetik-Dozentur des Hauscher LeseLenzes und der PH Karlsruhe an der dortigen Pädagogischen Hochschule zugesprochen bekommt.

Das Gisela-Scherer-Stipendium, das den Namen der LeseLenz-Mitbegründerin Gisela Scherer trägt, die 2010 verstorben ist und das die Erinnerung an sie lebendig halten will, wurde Joachim Zelter aus Tübingen zugesprochen.

Synke Köhler tritt ihr Stipendium im Sommer 2016 an und Nils Mohl wird im Oktober dieses Jahres nach Hausach kommen. Das Gisela-Scherer-Stipendium ist für den Zeitraum Februar – April 2017 vorgesehen, dann wird Joachim Zelter in Hausach sein.

Begründung der Jury für Synke Köhler:
Mit Synke Köhler überzeugte eine Autorin die Jury, deren Prosadebüt Kameraübung beeindruckt, indem es Gewohntes und Seltsames in zufälligen Begegnungen oder längerfristigen Familienarrangements in eine unaufgeregt schöne Sprache gießt. Eine Sprache, die mit Bildern wie „frische Frühstücksbrötchengeborgenheit“ oder „kamerascheuer Alltag“ aufwartet.

Synke Köhler

Synke Köhler
wurde 1970 in Dresden geboren und lebt in Berlin. Sie ist Diplompsychologin, Facharbeiterin für Datenverarbeitung, Screendesignerin und hat ein Studium an der Drehbuchwerkstatt München absolviert. Sie schreibt Drehbücher und literarische Texte. Neben zahlreichen Lyriktexten erschienen Kurzprosa und experimentelle Texte in diversen Anthologien (u. a. freie radikaleJahrbuch der LyrikWie fühlt es sich an, ein Tier zu sein?), Literaturzeitschriften (u. a. Am ErkerMacondoWienzeile) und Zeitungen (u. a. tazFreitagJunge Welt). Von 2007 bis 2011 verfasste sie Beiträge für das Online-Literaturportal „Forum der 13“  Für ihr Schaffen erhielt sie Preise und Stipendien. Kameraübung ist ihr Prosadebüt; für die Erzählung Nachbild erhielt sie den Newcomer-Preis des Literaturwettbewerbs Wartholz 2015.

 

Jüngste Publikation:
Synke Köhler. Kameraübung. Erzählungen.Verlag Kremayr & Scheriau. Wien 2016.

Der Alltag ist ein Schmetterling. Beinahe reglos sitzt er einem Einkaufszentrum gegenüber. Man muss sich ihm behutsam nähern, der Alltag ist kamerascheu, er flattert davon.

Aus: Kameraübung. Erzählungen. Verlag Kremayr & Scheriau. Wien 2016.
www.synkekoehler.de

Begründung der Jury für Nils Mohl:
Von Liebe Glaube Hoffnung handelt Nils Mohls Stadtrand-Trilogie, mit dessen letzten, im April diesen Jahres erschienen Band Zeit für Astronauten, er sich für das Kinder- und Jugendbuchstipendium in Hausach beworben hat. „Wenn man schon über das Erwachsenwerden schreibt, dann kann man auch groß ansetzen“, sagt Mohl und setzt damit Maßstäbe, wie Bücher für Menschen ab 15 geschrieben werden können: schnelle Schnitte, anachronisches Erzählen, eine besondere atmosphärische Dichte und der ganz eigene Duktus zeichnen seine Coming-of-Age-Romane aus.

Nils Mohl

Nils Mohl
geboren 1971, lebt mit der Familie in seiner Heimatstadt Hamburg. Nach dem Studium arbeitete er im Baugewerbe, im Einzelhandel, in der Logistikbranche, unterrichtete als Dozent u. a. an der Uni Hamburg und war lange Jahre Angestellter in der Reklamewirtschaft.
Für sein Buch Es war einmal Indianerland erhielt er 2011, neben vielen anderen Auszeichnungen, den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Jüngste Publikation:
Nils Mohl. Zeit für Astronauten. Rowohlt Verlag. Reinbek bei Hamburg 2016

Körts hat immer schon in den Hochhausriegeln rund um das Einkaufszentrum gelebt. Früher waren die Fassaden aus Waschbeton. Nach und nach wurde saniert und damit alles bunt. Die Leben der Bewohner blieben, wie sie immer waren. Grau. Die Lederblousons der Senioren vor dem Kiosk sind braun. Kackbraun. Körts übergibt Adil die Papiertüte und befragt das Trio, ob sich etwas Auffälliges getan hat, während er im Kiosk war. Müdes Verneinen. Unterlippen, die feucht vorgeschoben werden.
„Aber geiles Oberhemd“, sagt der eine Alte, „schniekes Teil, nur, warum machst du oben am Hals nicht einmal einen Knopf auf, Sportsfreund?“

Aus: Zeit für Astronauten. Rowohlt Verlag. Reinbek bei Hamburg 2016

Nils Mohl liest
am 27.6. und 28.6. für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 8 aus Stadtrandtrilogie
www.nilsmohl.de

Begründung der Jury für Joachim Zelter:
Joachim Zelter ist ein Pointen-Zauberer, der die Sprache zähmte, um sich von ihr treiben zu lassen und der um das ideale Mischungsverhältnis zwischen Phantasie und sozialrealistischer Weitsicht weiß. Ein großer Satiriker in der Tradition von Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Thomas Bernhard.

Joachim Zelter

Joachim Zelter
ist in Freiburg im Breisgau geboren. Von 1990 bis 1997 arbeitete er als Dozent für englische und deutsche Literatur an den Universitäten Tübingen und Yale. Seit 1997 ist er freier Schriftsteller, Autor von Romanen, Theaterstücken und Hörspielen. Seine Romane wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Thaddäus-Troll-Preis (2000), der Fördergabe der Internationalen Bodenseekonferenz (2000), dem „Bahnwärter Stipendium“ der Stadt Esslingen a.N. (2003), dem großen Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg (2003) sowie mit dem Jahresstipendium des Landes Baden-Württemberg (2005). Mit dem Roman Der Ministerpräsident war er 2010 für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Jüngste Publikation:
Joachim Zelter. Wiedersehen. Novelle. Klöpfer & Meyer. Tübingen 2015

Zum Inhalt seiner Novelle: Lieblingslehrer und Lieblingsschüler: Zwanzig Jahre später treffen sie sich wieder. Doch ihr Wiedersehen läuft zunehmend aus dem Ruder, gerät zu einem zwischenmenschlichen Wahnwitz, zu einem bizarren Albtraum.

Wie so ein Deutschunterricht mit Korthausen überhaupt ablief. Korthausen erzählte immer wieder Anekdoten. Aus seinem eigenen Leben. Oder aus dem Leben einiger Fürsten des 18. Und 19. Jahrhunderts. Später fand man heraus, dass diese Anekdoten frei erfunden waren. Doch handelte es sich um unvergessliche Anekdoten, über irrwitzige Liebesgeschichten korrupter Fürsten oder über Bahnlinien, die sich ein englischer Lord extra habe anlegen lassen, nur um seinen exorbitanten Wintergarten zu beheizen, mittels kilometerlanger Kohlezüge, die täglich zu seinem Schloss gefahren wurden. Frei erfundene Anekdoten, die Korthausen nur erzählte, um einen Gegenstand zu verdeutlichen. Fictio figura veritatis. Die Fiktion ist ein Weg der Wahrheit. Das war Korthausen.

Aus: Wiedersehen. Novelle. Klöpfer & Meyer. Tübingen 2015
www.joachimzelter.de

Hausach, am 29. Mai 2016

Ulrike Wörner, Robert Renk, José F.A. Oliver

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